Die Eindrücke sind noch recht frisch, die Gedanken zu ordnen ist noch nicht allzu leicht und ich weiß an dieser Stelle noch nicht, wie aufgeräumt und sinnvoll der nun folgende Text werden wird. Aber dennoch möchte ich in Anbetracht des gestrigen Triumphes ein paar meiner Gedanken sortieren und hier auf meinem Blog niederschreiben.
Borussia Dortmund is
t Deutscher Meister 2011. Ein Satz, der an Tag 1 nach dem alles entscheidenden Sieg gegen den 1. FC Nürnberg noch immer sehr merkwürdig und beinahe traumhaft klingt. Es wird wohl noch ein paar Tage, wenn nicht sogar Wochen dauern, bis man das Ausmaß dieses Meisterstückes in seiner Gänze realisiert hat. Ein Satz, der sich vor nicht allzu langer Zeit noch völlig absurd und unrealistisch anhörte. 2005 gerade so der Leichenkammer entsprungen, die furchterregenden Spiele unter Jürgen Röber oder Thomas Doll (ich möchte nur an das deprimierendste Spiel meiner Fußball-Fan-Laufbahn in Bielefeld 2007 (0:1) erinnern) und der Beinahe-Abstieg haben extrem an den Nerven eines jeden BVB-Fans gezerrt. Diese dunklen Jahre waren schrecklich und die Monate vor und nach der drohenden Insolvenz des Vereins waren das Fürchterlichste, was ich in meinem Fan-Dasein miterleben musste. Doch nun haben all diese Erlebnisse auch etwas Positives: Wir BVB-Fans wissen diesen Titel zu schätzen. Wir wissen, was es bedeutet, wenn eine Mannschaft den Titel gewinnt, die sich nicht durch ihren millionenteuren Wert und den Glanz ihrer Stars definiert, sondern durch den Zusammenhalt und Teamgeist, durch das, was man sich als Romantiker als perfekten Fußball vorstellt: 11 Freunde, die sich jeden Samstagnachmittag zum Pölen treffen. Und das ist das, was ein jeder Fußballfan anzuerkennen hat: Borussia Dortmund im Jahre 2011 hat den modernen Fußball ad absurdum geführt. Real Madrid, FC Barcelona, Chelsea sind ja schön und gut und mögen dutzende von Titeln geholt haben. Aber wenn ein Meistertitel mit ehrlicher Arbeit und ehrlicher Euphorie gewonnen wird, dann ist das noch tausend Mal schöner. Diese sollte jeder BVB-Fan momentan zu schätzen wissen. Vielleicht ist die Gesamtsituation von Borussia Dortmund in 10 oder 20 Jahren wieder völlig anders. Vielleicht ist Dortmund dann wieder voll von den sogenannten “Millionarios” und “Fußball-Diven”, vielleicht steht das Geld wieder im Mittelpunkt. Aber eins kann uns dann keiner mehr nehmen: Den Meistertitel im Jahre 2011, als 11-20 junge Fußballer unseren eigenen Jugendtraum selbst erlebten: Die Bundesliga mit einem herzerfrischenden Fußball ordentlich durchzuschütteln und den Fan die geilste Saison überhaupt zu liefern.
Aber auch für mich persönlich bedeutet der Titel einiges. Wie man Leser dieses Blogs ja mit Sicherheit mitbekommen hat, bin ich im Oktober 2010 aus dem östlichen Ruhrgebiet nach Berlin gezogen, was gleichbedeutend damit war, dass ich nur noch die wenigsten Spiele live im Westfalenstadion erleben konnte. Am Spieltag nicht “auf Süd” zu stehen, war regelmäßig richtig scheiße, um ehrlich zu sein. Aber, was ich bereits in meinem Auslandssemester in Nottingham beobachten konnte: Je weiter ich von Dortmund entfernt bin, desto näher fühle ich mich der Borussia. Ich lese viel häufiger BVB-Artikel im Internet, ich träge häufiger mein BVB-Retroshirt, ich habe meinen Balkon mit diversen BVB-Fanartikeln geschmückt und ich habe andere Menschen, die eigentlich nichts mit dem BVB zu schaffen haben, mit meiner Begeisterung angesteckt. Klar, es war schade, am gestrigen entscheidenden Tag nicht in Dortmund zu sein, aber ich glaube kaum, dass ich mich weniger gefreut hätte, wenn ich direkt anwesend gewesen wäre. Das Feiern wird dann auf der B1 in zwei Wochen zusammen mit der Meisterschale nachgeholt. Aber gut. Worauf ich nun hinaus wollte ist, dass Borussia Dortmund seit meinem Umzug nach Berlin viel mehr geworden ist, als nur ein geiler Fußballverein, den ich fanatisch unterstütze, in guten und in schlechten Zeiten: Borussia Dortmund ist ein Sinnbild, eine Metapher für meine Heimat geworden. Sich in Berlin mit dem BVB zu beschäftigen, bedeutet, sich mit zu Hause zu beschäftigen. Der BVB steht mittlerweile in einer Reihe mit dem Glaselefanten im Maximilianpark in Hamm, an dem ich als kleines Kind jedes Wochenende gespielt habe, mit meiner alten Schule, dem Freiherr-vom-Stein-Gymnasium oder mit meinen Freunden, mit denen ich mich im Osten-Grill, auf dem Bolzplatz oder im Allee-Center getroffen habe. Und genauso wenig wie diese Dinge, werde ich den BVB jemals vergessen. Er gehört zu meinem Leben dazu, wie der Glaselefant, meine Freunde oder die geilen Erinnerungen an den Osten-Grill. Egal, ob ich in Berlin, in Nottingham oder in Neuseeland bin. Ich bin immer Borusse und Borussia ist meine Heimat. Das hat mir dieser Meistertitel nun absolut klar gemacht.
PS: Dieser Text mag etwas rührselig sein, aber dies sei mir einen Tag nach dem Gewinn der Meisterschaft erlaubt.




















