Das sind meine absoluten Lieblingssituationen: Es ist ungefähr 23 Uhr, man sitzt noch ein wenig am Laptop und klickt sich ein wenig durch Youtube-Videos, Last.fm und plattentests.de, immer auf der Suche nach neuer Musik. In den meisten Fällen ist die Suche eher erfolglos, doch was ich vor ein paar Tagen beim Durchklicken eines ominösen Y
outubekanals entdeckte, haute mich regelrecht vom Hocker. Dort hatte ein User von einer mir bis dato unbekannten Band namens “Dead Man’s Bones” verschiedene eigene Musikvideos erstellt, unterlegt mit düsteren Bildern von Friedhöfen, Spukhäusern und gruseligen Hafenstädten. Ich sag nur soviel: Und genauso hört sich diese Musik an. Es war Liebe auf den ersten Blick.
Bei “Dead Man’s Bones” handelt es sich um das Bandprojekt von Ryan Gosling und Zach Shields. Ja, genau, der Ryan Gosling; der Hollywood-Schauspieler, bekannt aus Filmen wie “Lars und die Frauen”, “Wie ein einziger Tag” oder “Blue Valentine”. Schauspieler, die sich als Sänger versuchen? Das kann ja nicht gut gehen, mag man denken. Aber dem ist in diesem Fall offensichtlich natürlich nicht so. Ryan Gosling hat mit seinem Projekt eine einzigartige, verquere Musik geschaffen, die ihren Platz im Kuriositätenkabinett der Musikgeschichte sicher hat. “Dead Man’s Bones” klingt wie eine Mischung aus den ruhigen, schwerfälligen Tönen von Grizzly Bear, der Indie-Rock-Attitüde von Arcade Fire, dem dunklen Gothic-Folk von Black Heart Procession und der niedlichen, Indie-Kindermusik von Karen O and the Kids; und das alles mit einem völlig eigenen und einzigartigen Touch.
Das selbstbetitelte Debutalbum hat mir schlichtweg die Sprache verschlagen. Vor meinem inneren Auge sehe ich beim Hören dieses Albums Kinder in einer amerikanischen Vorstadt in den 50er Jahren in gruseligen Kostümen mit den Worten “Trick or Treat” von Haustür zu Haustür wandern. Ich sehe grinsende Zeichentrickskelette auf einem Friedhof von Grab zu Grab tänzeln. Und ich sehe den Totengräber, wie er sich auf einem Erdhaufen neben einem ausgehobenen Grab von der getanen Arbeit ausruht. “Dead Man’s Bones” ist das vielleicht düsterste Album, was ich jemals gehört habe, jedoch ohne dabei auch nur eine einzige Spur depressiv zu sein. Beim Hören breitet sich ein wohliger Grusel aus und man fühlt sich an seine eigene Zeit als schreckhaftes Kind erinnert, was wahrscheinlich auch an den zahlreichen Kinderchören in den Songs liegt, die neben so mannigfaltigen Instrumenten wie Gitarre, Klavier, Orgel, Akkordeon und herrlich schrägen Synthies, für eine großartige Atmosphäre sorgen. Es ist schwierig einzelne Lieder hervorzuheben, haben doch allesamt ihren eigenen Charme und verfügen alle über wunderschöne Melodieführungen. Aber ich probiere es trotzdem einmal: “In the Room Where You Sleep” wird sicherlich in einer Indie-Disko für Zombies gespielt (wenn es so etwas geben würde), “Lose Your Soul” klingt wie das letzte Wehklagen vor dem letzten Atemzug und das hochgradig Gänsehaut erzeugende “Buried In Water” ist nichts weiter als die Vertonung der Farbe Schwarz. Man möchte beinahe weinen, jedoch nicht vor Melancholie oder Traurigkeit, sondern vor Freude, weil man Ryan Goslings Musikprojekt entdeckt hat.
“Dead Man’s Bones” hat nicht einen Schwachpunkt; ich wüßte nicht, was man verbessern könnte. Endlich mal wieder ein schlichtweg perfektes Album! Es setzt die richtigen Popakzente hier und da, ohne die nötige Verrückheit und die eigene Handschrift zu vernachlässigen. Es ist dunkel, fröhlich, abwechslungsreich, verzweifelt, hoffnungsvoll, klassisch, anders. Wieder einmal spreche ich eine Hörempfehlung aus: An alle Menschen da draußen, die dies hier lesen (Ja, genau. Ich meine euch beide!): Hört dieses Album!
Erscheinungsdatum: 09.10.2009
Anspieltipps: In The Room Where You Sleep, Buried In Water, My Body’s A Zombie For You, Lose Your Soul
Hörproben: http://www.myspace.com/deadmansbones
Bewertung: 10/10
hoch waren auch meine Erwartungen und dementsprechend enttäuscht war ich auch nach den ersten Hördurchläufen. Doch dazu gleich mehr.
Lieblingssongs des Albums, während die zahlreichen, lauten Rocker von “Accelerate”, die zwar ganz nett sind, immer weiter in Vergessenheit gerieten. Welches Schicksal dem aktuellen Album “Collapse Into Now” bevorsteht, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. Doch nun zum Ist-Zustand des neuen Albums:
reits an dem Vorgänger “White Chalk” liebte ich die düstere Verschrobenheit und die wohle Unbehaglichkeit der einzelnen Songs. Und genau in dieses Fahrwasser schlägt auch ihr neues Album ein. Die Instrumentierung der Lieder ist sehr abwechlungsreich und zu meiner Freude sehr akustisch gehalten, ohne großartige Elektrofrickeleien, wie Radiohead sie ja gerade mit ihrem neuen Album praktizieren, mit dem ich nebenbei gesagt noch nicht so klar komme. Aber gut, dazu an anderer Stelle mehr. Auch die sehnsuchtsvollen und teilweise beinahe melodramatischen Melodien stechen dem Hörer bereits nach einem Hördurchgang sofort ins Ohr. Im Zentrum des Albums steht aber eindeutig, wie der Albumtitel bereits suggeriert, das Heimatland PJ Harveys: England. “Let England Shake” ist eine einzige Anklage und voll von böser Ironie. “Goddamn’ Europeans! Take me back to beautiful England.” in dem hervorragenden “The Last Living Rose” ist nur eins der zahlreichen Beispiele. Des Weiteren ist “Let England Shake” auch eine Art Rede zur Lage der britischen Nation, die sich in den Kriegen im Nahen Osten und politischen und sozialen Querelen im Inneren mehr und mehr ausgezehrt hat. “Our lands is ploughed by tanks and feet.” singt sie im mit Kriegstrompeten gespickten “The Glorious Land”. Trotzdem sollte man nicht den Fehler begehen und glauben, dass PJ Harveys neues Album einzig und allein politisch motiviert ist und ständig den Zeigefinger erhebt. Nein, die düstere, wenn auch glücklicherweise nicht gänzlich hoffnungslose Musik steht auch weiterhin im Mittelpunkt. Das fröhlich-beschwingte “Written on the Forehead” und das groovige “The Words that Maketh Murder” sind nur zwei weitere Songs der beinahe durchgängig hervorragenden Platte. Auch wenn zur Mitte von “Let England Shake” ein minimales, kleines Tief für meine Ohren zu erkennen war, so ist PJ Harvey aktuelles Album mein momentan größter Favorit auf den Titel “Bestes Album 20111″.
icht vollständig.
erbietet. Ich fragte mich schon damals: Was soll da bitte noch kommen?
, damit auch Menschen, die die Band nicht kennen, aber gerne Filme schauen, eventuell Interesse an der Band finden. So ist es bei mir schon unzählige Male passiert, das letzte Mal bei einer Band namens Guster auf dem Soundtrack des Filmes “Mein Kind vom Mars” mit John Cusack und Amanda Peet.
es zur Abwechslung mal wieder ein neues musikalischen Kleinod, welches zu meiner großen Überraschung sogar Einzug in die deutschen Charts fand (und das sogar auf Platz 4!): Das neue Album des kanadischen Musikerkollektives Arcade Fire mit dem schönen Namen “The Suburbs”.
öchte ich mal wieder eine kleine musikalische Liste veröffentlichen. Dieses Mal geht es um eine der wahrscheinlich größten Bands der letzten 20 Jahre: Radiohead. Auch ich bin der Gruppe aus Oxford um Frontmann Thom Yorke verfallen und liebe ihren unbeschreibbaren und unkatalogisierbaren Mix aus geschätzen 75 Musikstilen. Glücklicherweise werden Radiohead ca. im nächsten halben Jahr ein neues Album herausbringen auf das ich heute natürlich schon sehr gespannt bin.Die Wartezeit darauf werde ich mir nun mit dieser kleinen Liste verkürzen. Also, los gehts!
mme des Leadsängers Eddie Vedder sofort ins Gehirn. Und nicht nur bei Vedders Hauptband ist seine Stimme eine der Stärken, auch bei seinem ersten Soloalbum, dem Soundtrack für den Film “Into the Wild” aus dem Jahre 2007. In der wirklich hervorragenden Verfilmung des Leben des Christopher McCandless, einem viel versprechendem Highschool-Schüler, der nach seinem Abschluß einfach aus der amerikanischen Gesellschaft aussteigt und mit seinem gesparten Geld eine Tour quer durch die Wildnis Nordamerikas macht, nimmt Eddie Vedders Musik eine sehr prominente Rolle ein: Wann immer Christopher McCandless, klasse gespielt von Emile Hirsch, durch die karge, heiße Wüste von South Dakota, an den steilen Felsenwänden des Colorado Rivers oder durch die waldige Tundra von Alaska wandert, passt die Musik von Eddie Vedder wie die Faust aufs Auge. Sie ist dabei wie die Vertonung des Lebensgefühls einfach die Alltagssorgen und die streßige Arbeitswelt hinter sich zu lassen und sich einfach nur noch auf die Natur und die kleinen Dinge des Lebens rückzubesinnen. Dabei ist die Musik sehr vielseitig: Akustikgitarre und Ukulele sind genauso vertreten wie Orgel, E-Gitarre und Banjo. Die Lieder sind alles andere als so krachig und grungig wie bei Vedders Hauptband, sie sind melancholisch und meistens sehr leise und zurückhaltend; im Mittelpunkt steht aber immer die bereits angesprochene, altbekannte Stimme des Pearl Jam-Sängers. Meine Favoriten sind das brütende “Long Nights”, der überschwängliche Ukulelensong “Rise” und der Titelsong des Films “Hard Sun”. Die einzige Schwäche des Albums ist seine Länge: Es ist mit knapp 29 Minuten wirklich sehr kurz.